Arrival (2016)

"Arrival" - 2016 - Sci-Fi, Drama
"Arrival" - 2016 - Sci-Fi, Drama

Diesmal gibt es das Fazit schon gleich zu Beginn. In diesem Blog-Universum gibt es fast keine höhere Auszeichnung als ein freudiges „Ich will mehr davon!“. Während 2016 nicht viel Grundlage für den Ausruf bot, ist es wenigstens zum Jahresende noch einmal gelungen.

Arrival hätte einer dieser Alien-Filme werden können, deren Handlung wir mittlerweile im Schlaf runterbeten - eine dunkle Bedrohung am Himmel, Kriegszustand und Katastrophen auf der Erde, ein Vater versucht verzweifelt seine Familie im Chaos zu beschützen - wahlweise entsteht eine persönliche Bindung zu den Neuankömmlingen, die gegen den Aktionismus des Militärs und die allgemeine Dummheit des Menschen verteidigt werden muss. 

All diese Elemente weist der Film durchaus auf, doch er streift sie nur ganz sacht am Rande und kreiert damit ein wohltuendes Gefühl des Realismus für alle Alien-Action-müden Kinogänger.

Sie lernen die Protagonistin Dr. Louise Banks (Amy Adams) kennen. Eine Linguistik-Expertin, erschöpft und geschafft vom Leben als Dozentin - weder jung noch alt - mit einer pragmatischen Begeisterung für ihr Fach.
Die Regierung konsultiert sie frühzeitig, als zwölf Muschel-ähnlichen Schiffe auf der Erde auftauchen und erste Kommunikationsversuche scheitern. Gemeinsam mit dem Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) wird sie den außerirdischen Besuchern vorgestellt und baut schrittweise eine Form der Verständigung mit ihnen auf. Geklärt werden soll die wichtigste Frage: Was wollt ihr hier auf der Erde? 

Arrival zeigt durch sein gesamtes Setting eine selbstbewusste Unabhängigkeit von Genre-Klischees. Gelandet ist das Schiff in den USA nicht über Manhattan oder Washington sondern in den Weiten Montanas. Die Soldaten, Kommandanten und Experten finden sich mit ihren Besuchern allein inmitten grüner Berge - Abgeschiedenheit als Quelle der Inspiration.
Der Soundtrack führt an manchen Stellen regelrecht durch die Handlung und setzt markante Höhepunkte - während er im nächsten Moment gefühlvoll im Hintergrund bleibt und den herausragenden Hauptdarstellern das Feld überlässt.
Am Ende merkt der Zuschauer, dass es um viel mehr ging, als die Frage "Was wollen die bloß auf der Erde?". Viel wichtiger ist "Was wollen wir hier auf der Erde?" und was machen wir mit der Zeit, die uns bleibt?

 

Fazit:
Der Text endet, wie er begonnen hat: "Mehr davon!" Der Film bietet durchaus Stoff für eine ganze Serie - vielleicht findet sich in 10 Jahren ein begeistertes Produktionsteam von HBO und schlägt zu. Man kann es sich nur wünschen, denn es gibt wenig Filme, die einen heute überraschen, neugierig machen, rühren - und all das noch mit Aliens kombinieren.

(8/10)


Steve Jobs (2015)

"Steve Jobs" - 2015 - Biography, Drama
"Steve Jobs" - 2015 - Biography, Drama

Für wen:

Menschen die sich gerne in ambivalente Charaktere stürzen, brillanten Dialogen nicht abgeneigt sind. Eine halbwegs offene Einstellung zu Apple ist sicher auch eine gute Voraussetzung.  


Sollte es einem zu denken geben, dass enge Vertraute und Verwandte von Steve Jobs diesen Film verhindern wollten? 

Nun, einen kurzen Moment waren wir skeptisch. Jetzt könnten wir nicht glücklicher sein, dass wir uns dennoch ins Kino gesetzt haben, um diesen Film zu sehen - der so simpel und anders ist als alles andere in diesem Jahr. Zudem hat ein Spiegel Online Interview am Wochenende noch einmal die gute Beziehung zwischen Jobs und Drehbuchautor Sorkin untermauert. Das hat uns nachträglich ein noch besseres Gefühl gegeben. 


Im Film begleiten wir Steve Jobs durch die 80er und 90er Jahre seines Schaffens. Eine Zeit die schwer greifbar scheint, aber turbulente Meilensteine seines Lebens widerspiegelt. Nur drei Momente bilden dem Rahmen für dieses Stück. Wir sehen die letzten Minuten der Vorbereitungen vor drei großen Keynotes: Macintosh, Next und iMac. 

Hier entspinnt sich Konflikt um Konflikt. Die Nerven liegen blank, Entscheidungen warten. Eine Stimmung, so angespannt und dynamisch, gleichzeitig eine Ruhe vor dem losbrechenden Sturm. Ein Moment vor dem Absprung, in dem Beziehungen und Erinnerungen verwoben werden und uns einen kleinen Einblick in die Welt eines spannenden Charakters erlauben. 


Jobs ist längst nicht auf dem Zenit angelangt. Im Grunde ist er ein Gescheiterter und ein Suchender - der seine Ziele aber immer schon kennt (zu kennen glaubt). Mit einer bestechenden Überzeugung seines eigenen Geistes stellt er erwartungsgemäß seine Mitmenschen vor große Herausforderungen. Doch wir sehen auch, wie er sich selbst überlistet, in den Momenten in denen das Tatsächliche nicht zu innerem Schema und Überzeugung passt. Ein Genie, dass seine eigene Welt erschafft.

 

Michael Fassbender zeigt, wie vorab schon zu hören war, eine tolle Leistung. Wir heften uns an seine Gesichtsausdrücke seine Ungeduld, Wut und Begeisterung. Man glaubt diesen Charakter zu kennen. Zu wissen, was er tun/entscheiden/sagen wird, doch sitzen wir auch wie faszinierte Zuschauer vor dieser Geschichte eines genialen Menschen mit dunklen und hellen Seiten. 


Im Schlagabtausch mit seinen Co-Stars entfalten sich wundervolle Gespräche. Seth Rogen zeigt uns Steve Wozniak als empathischen Nerd, der naiv und verdutzt durch Jobs’ Geniestück läuft und seine Verwunderung nie verbergen kann - wie hat er es bloß so weit geschafft? 

Mentor John Sculley (Jeff Daniels) bringt den besten Dialog des Films, der Jobs’ Verletzlichkeit und Enttäuschung noch Jahre nach dem vermeintlichen Verrat zum emotionalen Höhepunkt des Films macht. 

Und Kate Winslet: Eine relativ erwartbare Rolle als Marketing Executive und enge Vertraute Joana Hoffman, die als einzige im Film regelmäßig zu Jobs durchzudringen scheint. Doch mehr als die verlässliche Assistentin ist sie ein Partner auf Augenhöhe - selbstbewusst, mitfühlend und manchmal voller Ärger über diesen verkopften, getriebenen Mann. 


Fazit:

Wir wandern in Steve Jobs immer entlang der wegweisenden Entwicklungen, die ihm zu dem Mythos verhalfen, der ihn noch heute umgibt. Laien erfahren viel über die Anfänge und groben Strukturen der damaligen Apple Inc. - heute wertvollstes Unternehmen der Welt. Für alle ist es ein Stück Geschichte, dass hier wieder aufbereitet wird. Auf unglaublich liebevolle Art und Weise. Das Ende gerät etwas abrupt, ohne Konklusion, aber was war im 1998 auch schon zu Ende erzählt? 

Ein Film der einen absolut einfängt. 

(9/10) 


James Bond 007 - Spectre (2015)

"Spectre" - 2015 - Action, Adventure, Thriller
"Spectre" - 2015 - Action, Adventure, Thriller

Für wen:

Natürlich für alle Bond-Fans und Actionliebhaber mit weniger Hang zur Handlung. Ehrlicherweise auch für alle, die der riesigen Werbekampagne erlegen sind (auch wenn diese ein bisschen mehr versprach).  


Der Film ist lang. Für einen von uns beiden zeitweise zu lang um die Augen offen zu halten. Länge muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Bei vielen atemberaubenden Filmen ist die Überlänge ein eindeutiger Positivfaktor - bei Spectre wird das ganze aber eher zur Gratwanderung. 


Viele tolle Momente reihen sich in diesem Film aneinander. Wer gerade noch, die größten Sean-Connery-Klassiker aus den 60ern gesehen hat, fühlt sich ein wenig dorthin zurückversetzt. Malerische Filmmusik umspielt gewaltige Landschaften und hinreißende Frauen in Abendkleidern bei ihrem großen Auftritt. Auch eine Spur mehr Selbstironie und Witz haben wir bei Daniel Craig beobachtet! 


Das Problem entsteht vielmehr bei der verbindenden Handlung. Eine Botschaft von M kurz nach ihrem Tod führt Bond auf die Fährte der zwielichtigen Organisation Spectre (für Finanzkriminalität und Terrorismus aller Art), an deren Rändern unser Spion schon seit Beginn seiner Karriere herumwandert, ohne je eine wirkliche Spur zu finden. Nach einigen Verfolgungsjagden, Sex mit Monica Belluci und einem Selbstmord tut sich Bond mit der schönen Ärztin Madeleine Swann zusammen, die der Schlüssel für die Verfolgung des Spectre-Kopfes Blofeld (Christoph Waltz) ist. Sie finden ihn und gleichzeitig heraus, dass die freundliche Terror-Organisation von nebenan auch schon beim britischen Geheimdienst ausgeholfen hat, um ein globales Überwachungsnetzwerk auf den Weg zu bringen (Jeder der Sherlock gesehen hat, dürfte an dieser Stelle wenig überrascht worden sein). 


In sich ist die gesamte Geschichte nicht wirklich komplex, doch die verschiedenen Hinweise und Stationen, die Bond verfolgen muss, um am Ende nur erneut seinem Widersacher gegenüberzutreten, ziehen den Film in eine unnötige Länge. So ist es uns gegen Ende des Films immer schwerer gefallen, die Spannung aufrechtzuerhalten und Müdigkeit machte sich breit (und wir waren nur in der 17 Uhr Vorstellung). 


Während die Handlung also manchmal schief lief, kann man sich bei den Darstellern definitiv nicht beschweren. Eine schöne Leistung: 


Daniel Craig ringt seiner Rolle alles ab: Breitbeinig und selbstbewusst läuft er durch Liebes- und Kampfszenen seines Films - immer mit einem verschmitzten Lächeln, das uns schon ahnen lässt, dass der Mann neues vor hat. 

Durchaus schlüssig, wenn man die Natürlichkeit und erfrischende Empörung betrachtet, mit der Léa Sedoux James Bond in ihren Bann zieht. Mit wenigen Worten vermittelt sie eine Idee von einer Welt ohne globale Killer-Netzwerke und Macht-Monopole, die wohl auch den Funken des Zweifels in Bond, bezüglich seiner Lebensplanung, nährt. 

Einfluss darauf dürfte ebenso der Bösewicht aus dunkler Vergangenheit gehabt haben, der in Gestalt von Christoph Waltz die Bühne betritt. Waltz als Blofeld überzeugt in all seinen Szenen, bringt etwas typische crazyness. 

Der Story ist es geschuldet, dass wir nicht tiefer in vergangene Zwiste zwischen beiden eintauchen. Wie und warum der Hass sich entwickelt und entladen hat, bleibt daher leider ein kleines Rätsel und macht die Handlung nicht nachvollziehbarer.  


Fazit:

Tolle Szenen - sowohl actiongeladen als auch zeitlos elegant. Und sicherlich ein Cast, voller eingängiger Charaktere. Wir sehen Craigs beste Leistung in seinem vermutlich letzten Bond-Auftritt. An entscheidenden Stellen jedoch macht der Film schlapp. Die Auflösung der Geschichte bleibt wage. Der Bösewicht bleibt zu unerschlossen und alles, was uns zu diesem mangelhaften Finale hinträgt, sorgt für eine Überlänge, die sich auch so anfühlt. 

Das Filmerlebnis an sich bildet also eindeutig die Grundlage für unsere Wertung. 

(6/10)

 

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